Nordsee-Steinbutt
gültig 06/2013 - 06/2014

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Allgemeine Informationen
Ökoregion: | Nordsee |
Fanggebiet: | Nordsee (3.a, 4) FAO 27 |
Art: | Scophthalmus maximus |
Wissenschaftliche Begutachtung
Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk
Methode, Frequenz
2013 wurde die erste quantitative (analytische) Begutachtung für Nordsee-Steinbutt vorgenommen. Die Daten sind jedoch lückenhaft und reichen nur aus, um die Ergebnisse als Trends darzustellen. Die Begutachtung erfolgt unter Verwendung von Anlandedaten und von zwei unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Für die fischereiliche Sterblichkeit ist ein vorläufiger Referenzwert nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy) festgelegt. Er ist Grundlage für die Fangempfehlung. [634] [641]
Wesentliche Punkte
2013 wurde die erste Trend-basierte Bestandsberechnung mit Fangempfehlung für Nordsee-Steinbutt durchgeführt. Der Fischereidruck sinkt und die Laicherbiomasse steigt von einem niedrigen Niveau langsam an. [641]
Bestandszustand
Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität) |
---|
unbekannt (nach Vorsorgeansatz) |
unbekannt (nach Managementplan) |
unbekannt (nach höchstem Dauerertrag) |
Fischereiliche Sterblichkeit |
---|
unbekannt (nach Vorsorgeansatz) |
unbekannt (nach Managementplan) |
unbekannt (nach höchstem Dauerertrag) |
Es erfolgte zwar eine quantitative Begutachtung, es werden jedoch nur Trends aufgezeigt.

Bestandsentwicklung
Nach der 2013 erstmals vorgelegten Bestandsberechnung befindet sich die Laicherbiomasse auf einem niedrigen Niveau, zeigt aber in den letzten Jahren einen leichten Anstieg. Die fischereiliche Sterblichkeit ist bis Mitte der 1990er Jahre gestiegen. Der erneute abrupte Anstieg im Jahr 2001 ist auf die Senkung der minimalen Anlandelänge in den Niederlanden zurückzuführen. Seitdem sinkt die fischereiliche Sterblichkeit kontinuierlich. Die Nachwuchsproduktion war in den späten 1970er Jahren offensichtlich in ein oder mehreren Jahren stark und dann deutlich schwächer. Sie schwankt nun um das Langzeitmittel. Die höchsten Anlandungen wurden 1979 und 1991 erzielt. Es folgte eine stetige Abnahme bis Mitte der 1990er Jahre. Seit 1995 sind die Anlandungen relativ stabil. [634] [641]
Ausblick
Bei gleichbleibender Nutzung wird die fischereiliche Sterblichkeit für diesen Bestand eher sinken, die Fangmöglichkeiten werden daher wahrscheinlich stabil bleiben, bzw. sogar leicht steigen. [641]
Umwelteinflüsse auf den Bestand
Steinbutt gilt als ortsgebundener Fisch, es gibt aber auch Hinweise auf Wanderverhalten. In der Nordsee wurden Wanderungen zwischen den Laich- und Aufwuchsgebieten im Südosten in nördlichere Gebiete beobachtet. Die älteren Fische sind toleranter gegenüber niedrigen Wassertemperaturen in der nördlichen Nordsee, wo es für die Jungfische zu kalt zum Überleben ist. [634] [641]
Wer und Wie
Die Bewirtschaftung von Nordsee-Steinbutt erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC). Der TAC schließt neben der Nordsee (EU-Gewässer von ICES-Gebiet IV) auch die EU-Gewässer von ICES–Gebiet IIa ein und gilt für Steinbutt und Glattbutt gemeinsam. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Maßnahmen (z.B. Maschenweiten) und Aufwandsbeschränkungen. [594] [641]
Differenz zwischen Wissenschaft und Management
Für 2014 wurde die erste numerische Fangempfehlung für diesen Bestand gegeben. Ein Vergleich mit der festgesetzten Höchstfangmenge (TAC) wird aber auch 2014 nicht möglich sein, solange ein gemeinsamer TAC für zwei verschiedene Arten (Steinbutt & Glattbutt) festgelegt wird, was biologisch sinnlos ist. [594] [641]
Karten
Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Begutachtung gilt ab 2013 für Steinbutt im ICES-Gebiet IV, der nun als ein Bestand betrachtet wird (in den Vorjahren war das Gebiet IIIa enthalten). Eine Höchstfangmenge wird für die EU-Gewässer der ICES Gebiete IV und IIa gemeinsam mit Glattbutt festgelegt. [634] [641]
Anlandungen und TACs (in 1.000 t)
Gesamtfang | 2012: Anlandungen 2,9 (vorl.); davon Baumkurren und Grundschleppnetze 90%, stationäre Fanggeräte (Kiemennetze) 10% |
TACs (EU-Gewässer 2.a & 4, gemeinsam mit Glattbutt) | 2008: 5,26 2009: 5,26 2010: 5,26 2011: 4,64 2012: 4,64 2013: 4,64 [594] [641] |
IUU-Fischerei
Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Steinbutt aus der Nordsee. [641]
Struktur und Fangmethode
Steinbutt wird hauptsächlich als begehrter Beifang in der gemischten Fischerei auf andere Plattfische (vor allem Scholle und Seezunge) und Grundfische gefangen. Die hohen Treibstoffkosten haben u.a. die Entwicklung treibstoffsparender Fangmethoden gefördert. So haben einige, vor allem niederländische Fahrzeuge im letzten Jahr auf Baumkurren mit weniger Bodenkontakt umgerüstet, bei denen Ketten durch Scheuchelektroden (Pulse trawl) oder gezielte, feine Wasserströme (Wingsum) ersetzt sind. Eine gerichtete Fischerei mit Kiemennetzen tätigt nur etwa 10 % der Anlandungen. [641]
Beifänge und Rückwürfe
Steinbutt ist selbst überwiegend Beifang, wenn auch ein sehr wertvoller. Der Rückwurf von Steinbutt in der Schleppnetz-Fischerei ist wahrscheinlich gering, von vermarktbaren Tieren insgesamt sehr unwahrscheinlich. [641]
Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt
Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen und Baumkurren kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [7] [30] [208]
Biologische Besonderheiten
Steinbutt ist einer der wenigen Meeresfische, die auch Brackwasser bewohnen. Steinbutt-Weibchen wachsen signifikant schneller als Männchen, und ihre altersspezifische Länge ist größer. Dies führt zu einer höheren fischereilichen Nutzung der weiblichen Fische. [392] [634]
Zusätzliche Informationen
90% der Steinbuttfänge im Nordostatlantik einschl. der Ostsee werden in der Nordsee getätigt. Steinbutt gilt neben der Seezunge als wertvollster Plattfisch. [14] [641]
Zertifizierte Fischereien
Bislang ist keine Fischerei auf Steinbutt in der Nordsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.
Soziale Aspekte
Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. Die deutsche Flotte hat 2012 120 t Steinbutt aus der Nordsee angelandet. [392]
Autor | Jahr | Titel | Quelle | |
---|---|---|---|---|
[7] | Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR | 2000 | Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure | Journal of Animal Ecology 69:494-503 |
[14] | Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) | Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage | fischinfo.de | |
[30] | Food and Agriculture Organization (FAO) | FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] | fao.org | |
[208] | Bellebaum, J | 2011 | Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 | Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de |
[392] | ICES | 2010 | Report of the Working Group on Assessment of New MoU Species (WGNEW), 11-15 October 2010, ICES HQ, Denmark. ICES CM 2010/ACOM: 21. 185 pp. | ices.dk |
[594] | Europäische Union (EU) | 2013 | Verordnung (EU) Nr. 40/2013 des Rates vom 21. Januar 2013 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten im Jahr 2013 in EU-Gewässern und für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern für bestimmte, über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppen | europa.eu |
[634] | ICES | 2013 | Report of the Working Group on the Assessment of Demersal Stocks in the North Sea and Skagerrak (WGNSSK), 24 - 30 April 2013, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2013/ACOM:13. 6 pp. | ices.dk |
[641] | ICES | 2013 | Report of the Advisory Committee, 2013. Book 6. North Sea. 6.4.32. Turbot in Subarea IV (North Sea) | ices.dk |